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«Der Bund« vom 17. Oktober 2008 Cathrine Arber

Er kennt sich mit Risiken aus

Die Grossprojekte in der Gemeinde Worb sind aufgegleist.Hanspeter Stoll möchte sie nun als Gemeindepräsident umsetzen – und dabei auch eigene Visionen verwirklichen.

Feierabend. Auf dem Worber Bahnhofsplatz herrscht reger Verkehr: Das Postauto spuckt Menschen aus, die zum blauen Bähnli eilen, um weiterzureisen. Und aus dem blauen RBS-Zug steigen Pendlerinnen und Pendler, die nach Worb heimkehren.Unter ihnen ist Hanspeter Stoll. Hier, auf demWorber Bahnhofsplatz will er sich mit dem «Bund» zum Ortstermin treffen. «Das blaue Bähnli, aber auch der Platz vor dem RBS-Bahnhof, haben einen grossen Symbolcharakter für  mich», sagt der freisinnige Kandidat fürs Gemeindepräsidium. Die Bahn verbinde Stadt und Land, und der Bahnhofsplatz, wo sich die Haltestelle der Postautos befindet, das Zentrum der Gemeinde mit den Aussenorten. Doch genug über Symbole geredet: Lieber möchte sich Stoll über seine Ziele und Visionen für die Gemeinde unterhalten. Es auf den Punkt bringen: Das liegt ihm. Noch heute höre er von Kollegen, dass die Parlamentssitzungen, die er 2006 als höchster Worber leitete, zu den kürzesten und effizientesten in den vergangenen Jahren zählen.

Grossprojekte umsetzen
Stoll politisiert seit 2001 für die Freisinnigen im Worber Gemeindeparlament. In die Politik kam er, als er sich als Schulkommissionspräsident in Rüfenacht dagegen wehrte, dass die neunte Schulklasse fortan in Worb unterrichtet werden sollte. Der 49-Jährige, der seit 1965 - mit einigen Unterbrüchen – in Rüfenacht und Worb lebt, möchte sich als «Brückenbauer» zwischen dem Zentrum der Gemeinde und den Aussenorten engagieren. «Ich möchte ein Gemeindepräsident für alle Worberinnen und Worber sein», sagt er. Ihm komme dabei zugute, dass er den Menschen zuhören könne, Probleme rasch erkenne und dann auch handle.
Die Gemeinde Worb sei heute weit entwickelt. Grossprojekte wie die Umfahrungsstrasse, die Sanierung des Sportzentrums Hofmatt, die Neuüberbauung auf dem Hofmattparklatz sowie die Ortsplanungsrevision seien gut aufgegleist. «Die Projekte müssen jetzt umgesetzt und zu Ende geführt werden – und hier muss der künftige Gemeindepräsident die Führungsver-
antwortung übernehmen», sagt Stoll. Ihm schwebt vor,Worb zu einem starken Regionalzentrum zu machen. Rund 60 Prozent der Bevölkerung pendelt von Worb weg. Es sei zentral, dass die Gemeinde nicht zu einer Schlafgemeinde werde. «Ein starkes einheimisches Gewerbe ist wichtig für Worb, und es wäre zu begrüssen, wenn sich ein paar attraktive Geschäfte im Zentrum niederlassen würden», sagt er.

Steuern schon früher senken
Ein «guter» Steuersatz sei ein weiterer Faktor, um Worb als «attraktives» Regionalzentrum zu positionieren. Dem FDP-Politiker schwebt vor, den Worber Steuersatz  von 1,6 Einheiten nicht erst wie vom aktuellen Gemeinderat geplant 2012, sondern schon früher auf Stadtberner Niveau, auf 1,54 Einheitenalso, zu bringen.Die Ortsplanung sei das Instrument für die künftige Gestaltung der Gemeinde, sagt Stoll. Der Umgangmit dem «raren Boden» habe hier oberste Priorität. Mit den Aussenorten, wo auch Einzonungsfragen anstehen und sich deren Weiterentwicklung speziell aufdränge, will er das direkte Gespräch suchen.

Vom Landwirt zum Chemiker

Von Rüfenacht, wo Stoll heute wieder zusammen mit seiner Frau Christine und den beiden Kindernwohnt, zog es ihn nach Worb weg, als er seine Erstausbildung als Landwirt absolvierte. Später holte er die Matur nach und studierte an der Universität Bern Chemie und schloss 1991 mit einer Dissertation ab. Danach war er während sechs  Jahren bei einer Ingenieurfirma als Leiter im Bereich Umwelt, Risiko und Sicherheit tätig. Seit zehn Jahren arbeitet Stoll beiden SBB als Bereichsleiter Risikomanagement Sicherheit.
Bisher war die Politik nebst Nordic Walking und ausgedehnten Spaziergängen mit Hund Nino Stolls Ausgleich zum Beruf. Nun hofft er, dass  er  ab1. Januar 2009 die «Ära nach Peter Bernasconi» als neuer Gemeindepräsident mitgestalten wird. Dass die bürgerlichen Stimmen auf zwei Kandidaten verteilt werden, sei sicher nicht ideal. Stoll hofft aber, es am 30. November in einen zweiten Wahlgang zu schaffen. «Und dann ist wieder alles offen.» Stoll klemmt sich seine Mappe unter den Arm, steigt wieder ins blaue Bähnli – und fährt nach Hause nach Rüfenacht. Das Feierabendgedränge im Worber Bahnhof hat sich gelegt.
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